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Was ist besser: Eine Elektroladesäule oder eine Wasserstofftankstelle?

Nach meinem Post „Fünf Teslas in der Warteschlange am Supercharger“ (Hier geht’s zum Artikel!) hat mir Markus Bachmeier, Leiter des Wasserstoffgeschäfts von Linde, eine Mail mit einer angehängten Präsentation geschickt. Man kennt sich ja in der Branche… 🙂

Die Präsentation hatte er vor Vertretern der Tankstellenbranche gehalten. Er adressiert darin die Frage, was mit dem Businesscase „Tankstelle“ passiert, wenn die Elektromobilität kommt.

Hier das Kurzfazit der Präsentation:

Wasserstoff ist besser als Batterien. [Jetzt muss man natürlich sagen, dass das von Anfang an klar war, da Linde nun mal Wasserstoff im Sortiment hat und keine Elektronen. Elon Musk, der gerade eine große Batteriefabrik baut, hat eine andere Meinung… 😉 ]

Hier kommen die Zahlen:

Das Laden eines Kia Soul EV bringt dem Tankstellenbetreiber bei 22kWh à 0,80€/kWh (was das Dreifache des Preises zu Hause ist!) und zwei Fahrzeugen pro Stunde einen Umsatz pro Stunde und pro Ladesäule von € 35,20.

Das Tanken von Brennstoffzellenfahrzeugen dauert rund 3 Minuten. Bei einer durchschnittlichen Füllung von 4,5 kg Wasserstoff (Beispiel Hyundai iX35) und einem Preis von € 9,50 pro kg bringt das einen möglichen Umsatz von € 256,50 pro Stunde.

Die dafür erforderliche Wasserstofftankstelle hat eine Anschlussleistung von 45kW – ein Wert, der üblicherweise gut funktioniert.

Die für einen Supercharger (im Beispiel von Markus Bachmeier) erforderliche Anschlussleistung beträgt über 1 Megawatt – das hat keine Tankstelle der Welt „mal einfach so übrig“.

Kommt Ihnen viel vor? Dann erzähle ich Ihnen jetzt noch eine Geschichte:

Als ich die fünf Teslas in der Warteschlange gesehen habe, war ich mit einem Freund unterwegs. Er war in der Woche drauf auf einer Veranstaltung, die von Tesla gesponsert wurde und bei der man Probefahrten machen konnte. Der Verkäufer war redlich bemüht, ihm die Vorteile des Autos zu erklären. Mein Freund meinte daraufhin: „Das ist ja alles schön und gut, aber letzte Woche habe ich fünf Autos in der Warteschlange gesehen. Das kann es ja wohl nicht sein!“ Daraufhin der Verkäufer: „Ja, das kann sein. Das ist der beliebteste Supercharger der Schweiz. Wir bauen ihn deshalb demnächst aus auf 24 Ladesäulen.“

24 Ladesäulen. Vierundzwanzig! Zwei – vier. Das ist eine Anschlussleistung von bis zu 2 Megawatt. Und falls Ihnen diese Zahlen nichts sagen: Das entspricht 1000 Wasserkochern oder 138 Wohngebäuden gemäß  DIN 18015-1, die alle gleichzeitig ihre Backöfen, Waschmaschinen etc. laufen lassen. Oder der chemisch gespeicherten Energiemenge, die eine einzelne Benzinzapfsäule an ein Fahrzeug abgibt, wenn sie mit nur 10% der üblichen Förderleistung arbeiten würde. Die elektrische Anschlussleistung für eine Benzinpumpe ist übrigens ca. 600 Watt.

Fazit:

Da kommt noch einiges auf uns zu, und wir sollten es nicht unterschätzen. Die gesamte volkswirtschaftliche Infrastruktur baut man nicht innerhalb von drei Jahren komplett um, egal ob mit GroKo oder Jamaika.

Wenn Sie die Präsentation von Herrn Bachmeier selbst anschauen wollen, können Sie sie hier herunterladen: